Der Erstorientierungskurs – ein guter Einstieg für das Leben in Deutschland

Der Syrer Aghyead Al Fares berichtet von seinen Erfahrungen:
Erstorientierungkurs als entscheidender Schritt zur Integration

„Ich bin dankbar.“ Aghyead Al Fares sagt diesen Satz mehr als einmal, wenn er über seine bisherigen Erfahrungen in Deutschland spricht. Der heute 27-Jährige gelangt im Dezember 2021 aus dem syrischen Daraa nach Köln. Er ist studierter Zahnmediziner. Deutsch kann er jedoch kaum ein Wort, weder verstehen, noch lesen oder sprechen. Heute, rund zweieinhalb Jahre später, spricht er fließend Deutsch und hofft, in Kürze seine Approbation als Zahnarzt zu erhalten. Seine Erfolgsgeschichte beginnt mit einem Erstorientierungskurs (EOK) in der Zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge in Sankt Augustin.

Foto: privat

Einige Wochen ist Aghyead Al Fares schon in Deutschland als er Anfang 2022 aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Köln nach Sankt Augustin verlegt wird. Mit der App des Deutschen Volkshochschul-Verbandes versucht er, sich erste Sprachkenntnisse anzueignen. Die lateinische Schriftsprache ist ihm vertraut, sein Englisch ist auf Universitätsniveau. Hier in Deutschland allerdings ist jeder Einkauf eine Herausforderung. „Die Sprache war sehr komplex für mich. Dennoch war mir bewusst, dass sie der Schlüssel ist“, beschreibt er. Der Besuch des EOK unter der Leitung der vhs Rhein-Sieg sollte sich als Game-Changer in vielerlei Hinsicht erweisen. Er kann Fragen stellen, wenn er etwas nicht versteht, erhält individuelle Förderung und sein Dozent bringt ihm und den anderen Kursteilnehmenden das Alltagsleben in Deutschland näher. Vieles ist Aghyead Al Fares völlig neu in diesem ersten Frühling: der rheinische Karneval zum Beispiel. Er ist eine von vielen Besonderheiten der deutschen Kultur, die der Dozent seinen Kursteilnehmenden auch mit Hilfe von Youtube-Videos näherbringt. Aghyead Al Fares besucht den Erstorientierungskurs und lernt zusätzlich weiter mit den vhs-Apps. Seine Deutschkenntnisse machen schnell Fortschritte. Sein Dozent schafft es, im Unterricht auf die verschiedenen Sprachniveaus der Teilnehmenden einzugehen und ermuntert sie, sich auch außerhalb des Kurses um Sprachpraxis zu bemühen.

"Ich lerne jeden Tag, auch nach zwei Jahren noch"

Der Übergang in den Integrationskurs fällt Aghyead Al Fares nach den Wochen im EOK leicht. Er kann direkt auf B1-Niveau einsteigen. Den Deutschtest für Zuwanderer besteht er auf B2-Niveau, schließt einen C1-Fachsprachkurs für Zahnmediziner an. Inzwischen lebt er mit seinem Bruder in Pulheim. Neun Monate nach seiner Ankunft in Deutschland hat er angefangen, als Fitnesstrainer zu arbeiten. Das gibt ihm Gelegenheit, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. „Ich lerne jeden Tag, auch nach zwei Jahren noch“, berichtet er. Der EOK habe seinerzeit das Fundament dafür geschaffen, um gut auch alleine weiterlernen zu können. Mit dem Dozenten stehen er und sein Bruder bis heute in freundschaftlichem Kontakt, erzählt Al Fares. Und wieder fällt der Begriff „Dankbarkeit“. „Der EOK war für mich ein großer und wichtiger Schritt zur Integration.“

Seine Zukunft sieht Aghyead Al Fares in Deutschland. In seinem Heimatland Syrien gibt es für ihn keine Perspektive. „Ich gebe mein Bestes, damit ich hierbleiben kann“, sagt er und fügt hinzu: „Doch das ist nicht alleine meine Entscheidung.“

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